Manchmal verändert sich das Leben nicht von heute auf morgen. Es gibt keinen großen Knall, keinen Moment, in dem plötzlich alles klar ist. Viel öfter ist es ein leiser Prozess –die leise Stimme die sagt: Da könnte noch mehr sein. Mehr, das ich lernen möchte. Mehr, das ich sein könnte.
Genau so hat mein Weg begonnen.
Ich bin 36 Jahre alt, Mutter von zwei Kindern – und habe mich entschieden, noch einmal ganz von vorne anzufangen. Für viele mag es ungewöhnlich klingen, mit Mitte 30 eine neue Ausbildung zu beginnen, aber für mich fühlt es sich richtig an. Ich wollte mir nach all den Jahren wieder beweisen, dass ich mehr kann, und eine neue berufliche Herausforderung finden, die mich erfüllt.
Der konkrete Anstoß kam eher zufällig: Ich habe eine Anzeige für einen Minijob im Internet gesehen – ein Einstieg in den Eventbereich. Besonders reizvoll war für mich der Ort: Das Büro befindet sich in der Alten Mühle Badenberg. Diesen Ort bewundere ich seit meiner Kindheit. Schon immer habe ich die besondere Atmosphäre gespürt und wollte unbedingt genau dort arbeiten. Diese Kombination aus Beruf und Location hat sofort etwas in mir ausgelöst.
Am Anfang habe ich unterstützende Aufgaben übernommen: Erstanfragen bearbeiten, organisatorische Aufgaben, Büroarbeiten – alles eher im Hintergrund. Doch mit jeder Veranstaltung wuchs mein Interesse. Besonders Hochzeiten haben mich fasziniert. Die Mischung aus Planung, Kreativität und Emotion hat mich sofort gepackt.
Ich durfte nicht nur beobachten, sondern war auch teilweise als Veranstaltungsleitung vor Ort. Es war unglaublich, den Abend zu erleben, wie alles vorbereitet ist, die Gäste kommen und die Stimmung entsteht. Ich wollte mehr: den gesamten Prozess von der ersten Anfrage bis zum letzten Moment selbst gestalten.
Als junge Mutter habe ich mein angefangenes Studium für eine Ausbildung zur Pferdewirtin geschmissen. Ein spannender Beruf, der aber lange sehr Arbeitszeiten hatte und sich kaum mit einem Familienleben vereinbaren ließ. Ich habe meinen großen Sohn damals fast nie gesehen – das war eine harte Erfahrung und unter anderem ein Grund, warum ich mich bewusst dafür entschied ausschließlich für meine Kinder da zu sein, als sie klein waren.
Neben der Familie habe ich als Patientenbotschafterin für ADHS gearbeitet. ADHS betrifft mich selbst und andere Familienmitglieder, daher ist das eine besondere Herausforderung. Dennoch fehlte mir etwas: Ich wollte wieder wachsen, mich selbst fordern und eine neue Aufgabe haben. Die Entscheidung für diese Ausbildung war ein Schritt zurück zu mir selbst.
Natürlich gab es Zweifel: Bin ich zu alt? Schaffe ich das noch? Vor allem Kopfarbeit ist anstrengend für mich. Ich bin generell schneller erschöpft , doch meine Familie unterstützt mich. Sie fängt mich auf, gibt mir Raum zur Erholung und ermöglicht es mir, sowohl für mich als auch für meine Kinder da zu sein.
Genauso wichtig ist das Team der Eventmanufaktur: Geduldig, unterstützend, fair. Niemand erwartet, dass ich sofort alles kann. Wenn ich etwas nicht verstehe, wird es erklärt – auch mehrfach, wenn nötig. Dieses Umfeld gibt mir Sicherheit und Selbstvertrauen.
Ein Moment hat sich besonders eingeprägt: Eine Hochzeit, bei der ich noch am Anfang meiner Veranstaltungsleitung stand. Ich war unsicher, hatte viele Zweifel und fragte mich, ob das Brautpaar zufrieden ist. Am Ende der Schicht verabschiedeten sie sich von mir – mit herzlichen Umarmungen und so warmen, ehrlichen Worten, dass ich diesen Moment nie vergessen werde.
Dieser Moment hat mir gezeigt, dass es nicht darum geht, perfekt zu sein, sondern mit Herz dabei zu sein.
Meine Kinder sind begeistert von meinem Job. Sie möchten oft mit zur Arbeit kommen, um zu sehen, was ich mache. Mein großer Sohn wird zum Boys’ Day sogar ein kleines Praktikum bei uns machen. Für mich ist das besonders wertvoll, denn ich lebe ihnen vor, dass Veränderung möglich ist und es sich lohnt, neue Wege zu gehen.
Heute weiß ich, wohin mein Weg führt: Ich möchte nicht nur mitarbeiten, sondern selbst gestalten. Veranstaltungen planen, Menschen begleiten, besondere Momente erschaffen und Verantwortung übernehmen. Besonders Hochzeiten liegen mir am Herzen, weil sie so persönlich, emotional und einzigartig sind.
Wenn du das liest und überlegst, etwas Neues zu wagen: Es ist nie zu spät. Egal wie alt du bist, egal wie lange du etwas anderes gemacht hast. Du musst nicht perfekt sein oder alles sofort wissen – du musst nur bereit sein, den ersten Schritt zu gehen.
Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass du feststellst, es ist nicht dein Weg. Aber vielleicht findest du genau das, wonach du gesucht hast. So wie ich.
Alisha
©Foto: Anne Sprung